Strom-Tarifvergleich.net

Scheitert das Gazprom-Engagement im EU-Strommarkt an Monopolansprüchen der Russen?

Die deutschen Stromkunden können sich freuen – theoretisch. Der russische Erdgas-Konzern Gazprom bestätigte gerade offiziell, an seinen Plänen für einen Einstieg in den europäischen Strom-Markt festzuhalten. Gerade für Deutschland kann dieses Engagement – nicht zuletzt aus Gründen der Energiepreis-Stabilität – wichtig werden, nachdem ein Zehntel der zur Verfügung stehenden Kernkraftwerks-Kapazitäten abgeschaltet werden musste.

 

Gaskraftwerke ergänzen nach Meinung von Experten außerdem den Ausbau der Verwendung regenerativer Energien wie Solarkraft oder Wind ausgezeichnet, spielen jedoch für westeuropäische Investoren angesichts der auch politisch gewollten deutlichen Ausweitung des Anteils erneuerbarer Energiequellen in der Stromerzeugung kaum eine Rolle. Gazprom ist hier in einer etwas anderen Situation – das Unternehmen verfügt nicht nur über die finanziellen Ressourcen für großangelegte Investitionen, sondern auch über immense eigene Rohstoffreserven, die dadurch effektiver und nicht zuletzt in neuen Märkten vertrieben werden können.

Gazprom will Monopol über die Pipelines

Der Haken an der Sache – Gazprom liebäugelt bei seinem westeuropäischen Engagement durchaus mit einer Monopolstellung zumindest bei den Pipelines. Gazprom-Chef Miller sagte der „Süddeutschen Zeitung“ erst vor kurzem, dass es von wenig Realitätssinn zeuge, wenn man Gasfelder und Pipelines voneinander trennen wolle. Damit attackiert er allerdings den Kern des europäischen Marktes für Erdgas – die allgemeine Zugänglichkeit der Transportsysteme, um den freien Wettbewerb bei leitungsgebundenen Energien wie Strom und Gas zu garantieren.

Marktliberalität – Kernstück der EU-Energiepolitik

Die Gazprom-Strategie steht mit ihrem Ansatz, die Kontrolle über die Pipelines zu behalten, in direktem Gegensatz zu den Wettbewerbshütern der EU und ihrer Mitgliedsländer, die jahrelang für die Liberalisierung des europäischen Energiemarktes und die Aushebelung von Monopol-Renditen gekämpft haben. Gazprom ist vor diesem Hintergrund zwar als Energie-Lieferant und -Investor in Europa hochwillkommen – Voraussetzung ist allerdings, dass der Moskauer Energie-Gigant sich an die Spielregeln der EU hält und keine Monopolstellung inklusive späteren Preis-Diktaten beansprucht.

Kategorie: Strom
Bildquelle: nord-stream.com
Rainer Peters