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Milliardenentlastung für Industrie auf Kosten von Privathaushalten

Strom wird für Privatverbraucher und Kleinunternehmen auch im nächsten Jahr teurer. Daran sind allerdings nicht allein steigende Preise auf dem Energiemarkt schuld, sondern auch eine Entscheidung der Bundesregierung, die Großunternehmen entlasten soll. Wie jetzt bekannt wurde, hat die schwarz-gelbe Koalition im Rahmen der Energiewende beschlossen, Stromgroßverbraucher von den Gebühren für Energienetze zu befreien und die Kosten auf Privathaushalte und kleine Unternehmen umzulegen.

Preise steigen um mehr als drei Prozent

Eine Änderung der Stromnetz-Entgeltverordnung sieht vor, dass Unternehmen, die im jährlichen Mittel über zehn Gigawattstunden verbrauchen, künftig keine Stromtransportkosten mehr zahlen müssen. Die davon profitierenden Betriebe werden so Schätzungen zufolge um 1,1 Milliarden Euro entlastet, während die Kosten auf die übrigen Verbraucher umgelegt werden. Allerdings wird auch das nicht einheitlich geschehen, da die Stromnetz-Entgeltverordnung weitere Entlastungen vorsieht. So müssen Unternehmen, die mehr als 100.000 Kilowattstunden benötigen ebenfalls nur eine anteilige Transportgebühr entrichten. Unterm Strich werden so vor allem Privathaushalte und Kleinunternehmen belastet.

Wie Berechnungen ergeben haben, steigen die Stromkosten für einen Musterhaushalt mit drei Personen um über drei Prozent. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden würde das Mehrkosten in Höhe von 40 Euro bedeuten. Die Novellierung war im Rahmen des Atomausstiegs in letzter Minute in die Verordnung eingefügt worden und so selbst von Experten unbemerkt geblieben.

Verbraucherschutz: „Einmalige Schweinerei“

Von Verbraucherschützern wird dieses Vorgehen scharf kritisiert. Bei der Entscheidung der Bundesregierung handele es um eine „Dreistigkeit, die bisher ohne Beispiel ist.“, so der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Holger Krawinkel. Die Bundesregierung arbeite nach dem Motto, die Bürger hätten die Energiewende gewollt und sollen nun auch allein für die Kosten aufkommen. Eine wirtschaftliche Notwendigkeit gäbe es dafür nicht. „Netzentgelte müssen auch die Unternehmen in anderen europäischen Ländern zahlen“, sagte Krawinkel.

Den Kunden wurden indes weitere Belastungen in Aussicht gestellt. Energieversorger haben bereits angekündigt, den wegen der Energiewende nötig gewordenen Netzausbau durch Preiserhöhung finanzieren zu wollen.

Kategorie: Strom
Bildquelle: welt.de
Carina Fabeck